Ursachen

 

Manche Spezialisten sehen die Ursache in einer hypersexualisierten Kindheit (bspw. evoziert durch Missbrauch). Dennoch bleibt festzustellen: Bei der „Hypersexualität“ kann es sich – sofern die Fallstricke einer subjektiven Wertung bei deren Diagnosei erkannt wurden – um eine Störung handeln, die ein wirklich befriedigendes Leben des oder der Betroffenen aufgrund vielfältiger Ursachen eventuell verhindert – auch wenn in anderen Fällen der Lustgewinn aller Beteiligten erhöht sein kann.

 Verhaltenssüchte
Eine neuere Sicht der Sexsucht erschließt sich in den letzten Jahren über die Hirnforschung. Hier wurden in einem entwicklungsgeschichtlich früh angelegten Teil des Gehirns Kerngebiete und Bahnen (z.B. im Mittelhirn der Nucleus Accumbens oder im limbischen System der Mandelkern) beschrieben, die zum Belohnungssystem des Gehirns gehören. Es zeigte sich dabei, dass eine Droge über die Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter wie Dopamin zu einer besonderen Sensibilisierung und Übererregbarkeit in diesen Teilen des Gehirns führt. Dadurch entstehen mit der Zeit Veränderungen und Fehlfunktionen des Belohnungssystems, die mit einer Abhängigkeitsentwicklung einhergehen. Das Belohnungssystem im Gehirn wird durch stoffgebundene Abhängigkeiten (z.B. Alkohol und Drogen) aktiviert, aber genauso durch nicht stoffgebundene Suchtformen. Dem entsprechend handelt es sich bei der Sexsucht um eine Suchtform, die man den nicht stoffgebundenen Süchten zuordnet. Sie zählt genauso wie Glücksspiel-, Arbeits-, Computer-, Fernseh-, Kauf- oder Sportsucht zu den sogenannten „Verhaltenssüchten“. Hier wird die süchtige Entwicklung nicht durch einen Suchtstoff, sondern durch ein stimmungsveränderndes Verhalten hervorgerufen, von dem mit der Zeit eine zunehmende Abhängigkeit entsteht.

 Häufigkeit
Zur Häufigkeit des Vorkommens gibt es bislang keine repräsentativen Erhebungen. In den USA wird von einem Anteil von ca. 4% der Gesamtbevölkerung ausgegangen, während man in Deutschland von höchstens einem Prozent ausgeht. Die Sexsucht scheint ca. zu 80 % Männer und 20 % Frauen zu betreffen.

 Phänomenologie
Sexsucht tritt unabhängig von der sexuellen Orientierung auf. Sie berührt also die Heterosexualität wie die Homosexualität. Auch können beinahe alle Spielarten der Sexualität davon betroffen sein. Kennzeichnend ist das süchtige Erleben der sexuellen Aktivitäten und der Kontrollverlust, d.h. der Betroffene ist nicht mehr in der Lage, sein Verhalten so zu kontrollieren und zu steuern, wie er es sich eigentlich wünscht. Diese eingeschränkte oder fehlende Selbstkontrolle bewirkt beispielsweise, dass sexuellen Versuchungssituationen nicht widerstanden werden kann, obwohl damit negative Auswirkungen für den Betroffenen verbunden sind. Meist handelt es sich dabei um sexuelle Aktivitäten, die von einer tieferen emotionalen Beziehung zum Partner losgelöst sind und denen heimlich nachgegangen wird. Sexualitätsformen wie sie virtuell durch Pornographie (z.B. Sexseiten im Internet) und käuflich mit Sexarbeit (z.B. in Bars, Clubs oder Prostitution) ermöglicht werden oder weitgehend anonyme Sexualitätsformen wie Treffen in Parks oder „Swinger Clubs“ oder „one-night-stands“ sind dafür besonders geeignet. Außergewöhnliche sexuelle Praktiken wie so genannte sexuelle Perversionen (Sadomasochismus, Exhibitionismusi etc) können dazugehören. Aber auch mehrere, gleichzeitige Partnerschaften können ein süchtiges Potential entfalten.

 

0
 
 
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Hypersexualität aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Powered by Drupal