Sexueller Missbrauch

 

Sexueller Missbrauch bezeichnet unter Strafe gestellte sexuelle Handlungen an Menschen. In der Sozialwissenschaft wird der Begriff oft auf Handlungen ausgedehnt, die nicht strafbar sind, aber moralisch verurteilt werden. Psychologisch wird als Missbrauch verstanden, wenn eine Handlung das Opfer in seiner sexuellen Integrität verletzt und ihm psychischen Schaden zufügt.

In der sozialwissenschaftlichen Literatur, in Bereichen der Arbeit mit den Opfern, auch bezüglich Therapien sowie in psychologischen Zusammenhängen wird auch die Bezeichnung Sexuelle Gewalt oder konkreter Sexualisierte Gewalt benutzt. Der Begriff sexualisiert soll meinen, dass Gewaltaspekte nicht ihren Ursprung in der Sexualität haben, jedoch hier mittels sexueller Handlungen zum Ausdruck gebracht werden.

Sexueller Missbrauch wird in Deutschland mit großer Mehrheit als eine der schwerwiegendsten Straftaten angesehen, das gilt insbesondere für den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, § 176a StGB.

 Sexueller Missbrauch im Strafrecht
    - Sexueller Missbrauch von Kindern bezeichnet sexuelle Handlungen vor, an oder mit einem Kind. Als Kinder werden, abhängig von nationaler Rechtsprechung, Personen vor dem 12. bis zum 18. Lebensjahr, in Deutschland vor dem 14. Lebensjahr, verstanden. Im Jahre 2003 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass in den Ländern, in denen die Rechtsprechung des Gerichtshofes Gültigkeit hat, das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von Menschen ab 14 Jahren beachtet werden muss.  

    - Sexueller Missbrauch von Jugendlichen bezeichnet sexuelle Handlungen meist Erwachsener mit Jugendlichen, die gegen Entgelt stattfanden oder wenn die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung des Jugendlichen fehlt und der Erwachsene dies ausnutzt. Als Jugendliche gelten weithin Personen im Alter von 14 bis 17 Jahren, wobei die Altersbereiche bezüglich der Strafbarkeit in Deutschland feiner aufgegliedert werden. Siehe auch § 182 StGB.

    - Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen bezeichnet sexuelle Handlungen einer Person mit Jugendlichen, wenn zwischen der Person und dem Jugendlichen ein Ausbildungs- bzw. Betreuungsverhältnis besteht oder es sich bei dem Jugendlichen um ein leibliches Kind handelt, in Deutschland durch § 174 StGB unter Strafe gestellt.

    Vergleichbar in der Schweiz: Missbrauch durch Ausnutzung einer Notlage (Art. 193 Abs. 1 StGB).

Eine Vielzahl weiterer Bestimmungen bestraft sexuelle Handlungen mit Gefangenen, behördlich Verwahrten, Kranken, Hilfsbedürftigen (BR Deutschland: § 174a StGB), Personen in Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnissen (BR Deutschland: § 174c StGB), sofern eine durch diese Verhältnisse gegebene Stellung ausgenutzt wurde.

Die Rechtslage in den USA unterscheidet sich insgesamt gravierend von derjenigen in Europa. Dort liegt das Schutzalter je nach Bundesstaat zwischen 16 und 18 Jahren. Die Rechtsprechung in den Bundesstaaten ist nicht einheitlich. In vielen, jedoch nicht in allen, Staaten gibt es allerdings zusätzliche Vorschriften die bei Altersdifferenzen der Beteiligten von höchstens 3-4 Jahren unter der Voraussetzung, dass die sexuellen Handlungen unter gegeseitigem Einverständnis vorgenommen wurden und alle beteiligten Personen mindestens 14-16 Jahren alt sind, keine oder nur geringe Bestrafungen vorsehen. Es gab in der Vergangenheit allerdings spektakuläre Fälle, in denen aufgrund einer speziellen Rechtslage bzw. -auslegung sogar Minderjährige trotz offensichtlich vorhandenem gegenseitigem Einverständnis zu empfindlichen Gefängnisstrafen wegen "Missbrauchs" verurteilt wurden bzw. werden sollten.

Missbrauchsformen
    - Vergewaltigung
    - Sexuelle Nötigung
    - Sexueller Missbrauch von Kindern im Schutzalter
    - Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen (betrifft Menschen im Abhängigkeitsverhältnis)
    - Kinderpornografie
    - Exhibitionismusi

Abzugrenzen ist der sexuelle Missbrauch von der sexuellen Belästigung, die mitunter rechtswidrig, z.B. in arbeitsrechtlicher Hinsicht, aber nicht strafbar ist. Sexuelle Belästigung ist in vielen Unternehmen Kündigungsgrund.

Psychologische Folgen
Traumatische Erfahrungen wie der sexuelle Missbrauch fügen den Opfern oft seelische Schäden zu, die häufig zu langanhaltenden psychischen Störungen führen. Diese reichen von der Posttraumatischen Belastungsstörung über Depressionen und Borderline-Persönlichkeitsstörung sowie Dissoziativen Störungen bis hin zur Multiplen Persönlichkeitsstörung. Die drei letztgenannten Störungen stehen besonders oft in engem Zusammenhang mit dem Erleiden von sexuellem Missbrauch im Kindheits- und Jugendalter.

Vorbeugung
Viele Ansätze der Vorbeugung (Präventioni) zielen darauf ab, mögliche Opfer so vorzubereiten, so dass sie entweder das Vergehen selber abwehren können oder dass sie später genügend Mut und Kraft haben, den Täter anzuzeigen. Ebenfalls kann es sinnvoll sein, sie so zu stärken, dass sie nach einem Vorfall das Leben möglichst selbstständig weiterführen zu können. Besonders in Berufen, in denen Erwachsene oft mit Kindern oder Behinderten in Kontakt stehen, gibt es auch Kurse, welche sich an potenzielle Täter richten.

    - Alle Menschen sollen ernst genommen werden. Wenn jemand „nein“ sagt, dann ist es auch ein Nein. Besonders Kindern wird so klargemacht, dass Erwachsene nicht alles tun dürfen und dass Erwachsene nicht immer überlegen sind.
    - In Familien und anderen Gruppen von Menschen wird der gegenseitige Respekt vorgelebt. Niemand soll sich um der Bravheit willen brav verhalten.
    - Sexualität und körperbezogene Themen sollen offen gelebt und besprochen werden. Der eigene Körper gilt als wertvoll und schön.

Eine tiefgreifendere Vorbeugung ist die Therapie von Opfern, die später manchmal selbst zu Tätern werden können. Ziel einer erfolgreichen Opfertherapie ist letztlich die Vergebung. Dem entspricht die Therapie von Tätern. Ziel einer erfolgreichen Tätertherapie ist erleben der Schuld und entsprechende Reue und Sühne.

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