Rechtslage

 

Inzesti wird in Deutschland und Österreich nur zwischen in gerader Linie Verwandten – also Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, und deren Kindern, Enkeln, Urenkeln – sowie zwischen Voll- und Halbgeschwistern (letzteres ist rechtlich umstritten) verfolgt. In Deutschland werden die Abkömmlinge und Geschwister nicht bestraft, wenn sie zur Tatzeit jünger als 18 Jahre waren. In Österreich wird nicht bestraft, wer zur Tatzeit jünger als 19 Jahre war und zur Tat verführt wurde.

In Deutschland bleibt der Tatbestand erfüllt, auch wenn das Verwandtschaftsverhältnis im Sinne des Bürgerlichen Rechts durch Adoption erloschen ist. § 173 des deutschen Strafgesetzbuchs stellt nur den vaginalen Beischlaf zwischen engen Verwandten unter Strafe. Andere Formen des Geschlechtsverkehrs sind straffrei. Im Jahr 2003 gab es auf Grund des § 173 auf dem Gebiet der früheren Bundesrepublik Deutschland (Westdeutschlands) zehn Verurteilungen. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Rechtsgültigkeit wird 2007 oder 2008 erwartet. Die Klage gegen den Inzest-Paragraphen ist seit Februar 2007 anhängig.

In Österreich ist die Strafbarkeit unabhängig vom zivilrechtlichen Verwandtschaftsverhältnis, nur das biologische zählt. Dieses muss im Gerichtsverfahren vom Amts wegen geprüft werden.

In neuerer Zeit wird verschiedentlich argumentiert, dass das Inzestverbot im Prinzip überflüssig sei, da die genetisch bedingten Risiken für den aus Inzest resultierenden Nachwuchs bekannt seien und das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung höher zu werten sei. Zudem sei das Ziel eines solchen Verbots unklar, da die Verhütung potenziell erbkranken Nachwuchses kein Ziel des Staates sei. Es gilt aber in jedem Fall als notwendig, alle Inzestwilligen über diese Risiken und ihre Vermeidung (mittels Empfängnisverhütung) aufzuklären.

Problematisch ist Inzest im Mindesten dann, wenn er sich mit dem Straftatbestand des Kindesmissbrauchs überschneidet.

Das französische Strafgesetzbuch, der Code pénal français, stellt Inzest bereits seit 1810 nicht mehr unter Strafe. Verschiedene Länder folgen ihm. So wird Inzest heute in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Portugal, der Türkei, Japan, Argentinien, Brasilien und einigen anderen lateinamerikanischen Staaten nicht mehr bestraft.

Betreffend der Eheschließungen ist das kanonische Recht der römisch-katholischen Kirche strenger als das bürgerliche Recht: Während z. B. für eine katholische Eheschließung zwischen Vetter und Kusine eine kirchliche Dispens erforderlich wäre, ist eine Ziviltrauung zwischen Geschwistern sowie Nachkommen und Vorfahren ausgeschlossen, in allen anderen Fällen aber ohne Weiteres möglich.

 

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