Psychologische Pubertätsmerkmale

Die Pubertät hat nicht nur körperliche Veränderungen zur Folge, sondern sie beeinflusst auch den emotionalen Zustand und das Sozialverhalten der Jugendlichen.

Stimmungsschwankungen, Launenhaftigkeit
Wurden Stimmungsschwankungen während der Pubertät früher häufig auf ein erhöhtes Hormonniveau zurückgeführt, so ist inzwischen geklärt, dass diese Beziehung zwar besteht, jedoch nicht so stark ist wie angenommen. Vielmehr ist eine Kombination von hormonellen und situativen Faktoren für die Stimmungsschwankungen und Launenhaftigkeiten verantwortlich. Die Heranwachsenden kommen während der Pubertät vermehrt in problembelastete Situationen, vor allem wenn diese Situationen von Erwachsenen strukturiert werden (Unterricht, Arbeit, Familienaktivitäten). Durch die vermehrte Hormonausschüttung wird auf diese Situationen mit stärkeren Gefühlen reagiert.

Beziehung zu den Eltern
Während der Pubertät berichten sowohl Eltern als auch Jugendliche, dass sie sich einander nicht mehr so nahe fühlen. Ein Grund für die auftretenden Probleme zwischen Kind und Eltern kann die verbesserte Urteilsfähigkeit des Kindes sein, wodurch das Handeln der Eltern eher in Frage gestellt und kritisiert wird. Zusätzlich verändern sich mit der körperlichen Reife auch die Rollen der Jugendlichen in ihrem Leben und sie wollen dementsprechend als Erwachsene behandelt werden. Die Heranwachsenden wollen auch für ihren Freizeitbereich mehr Verantwortung übernehmen. Die Eltern wollen ihre Kinder jedoch vor Schaden bewahren und nehmen so eine Gegenposition ein. Die meisten dieser Streitereien sind nur von oberflächlicher Natur und gefährden nicht die schützenden Familienbande. Die Jugendlichen streiten sich auch öfter mit ihren Geschwistern. Häufig wird die Pubertät wegen der Streitereien auch "zweite Trotzphase" genannt.

Frühentwickler und Spätentwickler
Wie schon bei den biologischen Aspekten erwähnt, gibt es Faktoren, die einen Beginn der Pubertät beschleunigen oder verzögern. Dies hat natürlich auch emotionale Auswirkungen auf die Heranwachsenden. Dies ist bei Jungen und Mädchen gegensätzlich. Ausschlaggebend ist einerseits, wie stark der Körper des/der Heranwachsenden dem kulturellen Ideal entspricht, andererseits, wie gut sie zu ihren Gleichaltrigen passen.

Jungen
Sich früh entwickelnde Jungen werden von Erwachsenen meistens als entspannt, unabhängig und selbstbewusst angesehen. Die gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit trägt außerdem dazu bei, dass früh entwickelte Jungen Führungspositionen unter Gleichaltrigen einnehmen. Spät entwickelnde Jungen sind dagegen häufig unbeliebt, da sie als kindisch und noch "nicht so weit" (entwickelt) angesehen werden, weshalb es ihnen an Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen fehlt. In Studien wurden sie von Erwachsenen als ängstlich, nervend und schwatzhaft bezeichnet.

Bei der Befragung der Jungen selbst stellte sich heraus, dass sich die früh entwickelnden Jungen während der Pubertät weniger wohl fühlten als die sich spät entwickelnden. Zu erklären ist dies sicher damit, dass sich die spät entwickelnden, kindlicheren Jungen (noch) weniger oder keine Gedanken um ihre Sexualität und ihre neue Geschlechterrolle machen.

Mädchen
Bei den Mädchen haben sich früh entwickelnde Mädchen selten Führungspositionen unter Gleichaltrigen inne. Sie sind häufiger in abweichendes Verhalten verwickelt und in der Schule schlechter. Sie haben weniger Selbstvertrauen und sind ängstlicher. Sich spät entwickelnde Mädchen erleben das Gegenteil. Sie werden als körperlich attraktiv, lebendig, sozial und führend in der Schule angesehen.

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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Pubertät aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

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