Enthaltsamkeit und Treue statt Safer Sex

 

Immer wieder wird diskutiert, dass z. B. Kondome wegen ihrer wissenschaftlich untersuchten Versagerquote keinen hundertprozentigen Schutz vor Infektionen geben können. So wird von manchen (vor allem durch das Lehramt der Katholischen Kirche) die Beschränkung von Sex auf die Institution der Ehe oder Enthaltsamkeit und Keuschheit als absoluter Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten empfohlen.

Demgegenüber wird von der EKD in Deutschland zur Solidarität mit Aids-Kranken aufgerufen und für den Gebrauch von Kondomen zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit geworben. Die EKD-Kammer für nachhaltige Entwicklung äußert im Juli 2007 in einer Studie Für ein Leben in Würde, dass zur Bekämpfung von HIV „die Verwendung von Kondomen sowie der Verzicht auf Promiskuität“ gehöre. Im 58-seitigen Text wird 22 Mal das Wort „Kondom“ verwendet.

 

Der Vatikan hat im Dezember 2003 seine Kritik an den staatlichen Safer-Sex-Kampagnen u.a. in Form einer Abhandlung mit dem Titel „Family Values Versus Safe Sex” (Familienwerte versus sicheren Geschlechtsverkehr) veröffentlicht.

In dem Text kritisiert Kardinal Alfonso López Trujillo die vorbehaltlose Empfehlung von Kondomen, da sie noch weniger vor Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten als vor ungewollten Schwangerschaften schützten (mind. 10% ungewollte Schwangerschaften trotz Kondom). Die Gefahr für die Übertragung von Geschlechtskrankheiten sei u. a. deshalb größer, da Viren auch zu Zeiten übertragen werden können, in welchen die Frau für Spermien nicht empfängnisbereit ist. Da nach seiner Ansicht solche Safer-Sex-Kampagnen das promiske Verhalten förderten, erhöhe sich durch die Kondombenutzung das Risiko einer Erkrankung eher, als dass es gesenkt würde. Zumindest verschleierten solche Kampagnen die trotz Kondom immer vorhandenen Gefahren des Geschlechtsverkehrs mit wechselnden Partnern. In Uganda habe dagegen eine Kampagne für eheliche Treue bzw. gegen Promiskuität zur deutlichen Abnahme der HIV-Neuinfektionen geführt.

 

Echte Treue oder völlige Enthaltsamkeit schließen das Risiko der Ansteckung aus. Dies bleibt jedoch in vielen Fällen Theorie. Trotz des Vorsatzes zur Keuschheit kann es zum Geschlechtsverkehr kommen, was dann meist ungeschützt geschieht. Eine Studie der Universitäten Columbia und Yale zeigte, dass ein Keuschheitsgelübde nicht gegen sexuell übertragbare Krankheiten hilft.

 

Der Erfolg in Uganda beruhte auf einem ABC-Programm. Es setzte zwar auch auf Keuschheit (Abstinenz) und Treue (Be faithful), aber Safer Sex (Condoms) war integraler Bestandteil.  Die Abkehr von Safer Sex geschah erst in jüngster Zeit und droht das bisher Erreichte zunichte zu machen.

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