Bei Medizinern und Sexualwissenschaftlern wird eine Ejakulationi heute zwar häufig als ein Samenerguss aufgefasst, gelegentlich aber auch als ein „feuchter Orgasmus“, das heißt, als eine Ausschüttung von Sekreten ohne Anwesenheit von Spermien.
„Erguss (mit oder ohne Samen)“
Wenn beispielsweise von E. J. Haeberle folgende Aussage formuliert wird: Zitat … Zu diesem Zeitpunkt kann auch der erste Samenerguss erfolgen. Das Ejakulati enthält unter Umständen noch keine Samenzellen, sondern besteht hauptsächlich aus Prostatasekret. Zitatende, so verwendet er den Begriff Ejakulat im zweiten Satz auch für eine Flüssigkeit, in der sich noch keine Spermien befinden. Die Verwendung des Begriffs Samenerguss im Satz zuvor steht allerdings dazu im Widerspruch und fördert eine Begriffsverwirrung, denn wie kann man einen Erguss als Samenerguss bezeichnen, wenn in ihm noch kein Samen bzw. Spermien enthalten ist/sind?
Eine Ejakulation steht nach dieser Definition mit der deutschen Bedeutung „Erguss“ im Gegensatz zum trockenem Orgasmus ganz allgemein für einen feuchten Orgasmus und ist auch dann möglich, wenn eine Spermienproduktion noch nicht begonnen hat und bei einem Orgasmus nur eine mehr oder minder geringe Menge Sekret ohne Spermien an der Penisöffnung erscheint. Allerdings kommt diese Definitionsvariante der ursprünglichen lateinischen Wortbedeutung nicht sehr nahe, da bei einem derartigen Erguss zumindest zum Zeitpunkt des Übergangs von einem trockenen zu einem feuchten Orgasmus in der Regel nicht von ausstoßen oder gar herausschleudern die Rede sein kann.
In diesem Definitionsrahmen werden in der Sexualwissenschaft auch „Leerlaufstadium“ (Ejakulation ohne Sperma = samenloser Erguss) und „Funktionsstadium“ (Ejakulation mit Sperma = Samenerguss) unterschieden. Den Beginn des Leerlaufstadium bezeichnen manche Wissenschaftler als Prostatarche, da man ursprünglich davon ausging, dass erste Ergüsse allein aus Sekreten der Prostata und nicht auch aus denen anderer akzessorischer Geschlechtsdrüsen bestehen können.
„Samenerguss“
Andererseits schreibt dann Haeberle im selben Buch wenig später: Zitat … Das einfachste Beispiel ist der Orgasmus eines Jungen vor der Pubertät: Ihre inneren Organe sind noch nicht hinreichend entwickelt, um Samenflüssigkeit zu produzieren, sie können also auch nicht ejakulieren; trotzdem können Jungen einen Orgasmus haben. Zitatende
Nunmehr wird offensichtlich unter Ejakulation einzig und allein ein Samenerguss verstanden und bei der Verwendung des Begriffs Ejakulat die Anwesenheit von Spermien vorausgesetzt. Diese Definitionsvariante wird oft in der Literatur so dargestellt und verwendet.
