Ein Abortus incipiens geht in der Regel in einen Abortus completus bzw. incompletus über. Beim Abortus incompletus wurde ein Teil der Schwangerschaft, nicht selten der Embryo bzw. Fetus, bereits ausgestoßen, oft bleiben Plazentateile in der Gebärmutter zurück, welche zu persistierenden vaginalen Blutungen, aszendierenden, d. h. aufsteigende, Infektionen oder gar zu einer malignen Entartung führen können. In der klinischen Untersuchung sind die ausgestoßenen Schwangerschaftsteile im Zervikalkanal resp. in der Scheide sichtbar. Diese Anteile sind unvollständig.
Diese Abortform zeigt sich vorwiegend bei den Spätaborten zwischen der 16. und 28. SSW. Beim Abortus incompletus ist zum Schutz vor den beschriebenen Komplikationen eine Kürettagei indiziert. Es besteht in dieser Situation jedoch eine erhöhte Blutungs- und Perforationsgefahr. Nach vollständiger Kürettage hört die häufig überregelstarke, die Mutter gefährdende Blutung aus der Gebärmutter normalerweise auf. Die physiologische Uteruskontraktion kann durch die Gabe des natürlichen, von der Hypophysei im Rahmen von Wehenentstehungen ausgeschütteten Hormons Oxytocin zusätzlich unterstützt werden.
