Ab drei aufeinanderfolgenden Aborten der gleichen Partnerschaft spricht man von einem „habituellen Abort“. Da hierbei der embryonale bzw. fetale Karyotypi häufiger unauffällig ist, wird als mögliche Erklärung wiederholter Fehlgeburten eine gestörte Interaktion von mütterlichem und kindlichen Gewebe angenommen (Rai & Regan, 2006).
Als etablierte Risikofaktoren habitueller Aborte werden seitens der Mutter anatomische Veränderungen (angeboren Gebärmutterfehlbildungen), hormonelle Störungen (Hyperprolaktinämie, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Gelbkörperinsuffizienz, Hyperandrogenämie sowie, fraglich, das PCO-Syndrom), angeborene (z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation, Prothrombin-Mutation, Proteini S Mangel) sowie erworbene (z. B. Antiphospholipid-Syndrom) thrombophile Gerinnungsstörungen sowie bei beiden Partnern Chromosomenauffälligkeiten (z. B. balancierte Translokationen) angesehen.
Alle diese Faktoren können, müssen jedoch nicht das Risiko für Fehlgeburten erhöhen. Daher sollte bei wiederholten Schwangerschaftskomplikationen eine umfassende Abklärung beider Partner mit entsprechender Therapieeinleitung vor bzw. in einer Folgeschwangerschaft erfolgen. In etwa 40 % der Fälle findet sich jedoch keine Ursache, so dass von „idiopathischen“ Fehlgeburten gesprochen wird.
Die vor allem in den 1990er-Jahren propagierte Immun„therapie“ wiederholter Fehlgeburten gilt nach neuesten Erkenntnissen entweder als nicht erwiesenermaßen wirksam, erwiesenermaßen unwirksam, risikobehaftet und somit obsolet (Scott, 2003). Hierzu zählen Ansätze wie eine aktive (Gabe von Spenderlymphozyten) bzw. passive (Gabe von Immunglobulinen) Immunisierung sowie die Gabe eines Leukozyten-Ultrafiltrats.
Insbesondere die Messung von immunkompetenten Blutzellen der Mutter sollte nicht mehr als Maßstab für eine postulierte „immunologische“ Abortursache gewertet werden, da die Messungen fehlerbehaftet sind (Shakhar et al., 2006) und keine Korrelation zu endometrialen Immunzellen besteht.
Literatur zur habituellen Aborten:
- Rai R, Regan L. Recurrent miscarriage. Lancet 2006; 368: 601-611
- Scott JR. Immunotherapy for recurrent miscarriage. Cochrane Database of Systematic Reviews 2003; 1: CD000112.
- Shakhar K, Rosenne E, Loewenthal R, Shakhar G, Carp H, Ben-Eliyahu S. High NK cell activity in recurrent miscarriage: what are we really measuring? Human Reproduction 2006; 21: 2421-2425.
